Kapitel 1 Ein fast perfekter Tatort (Fortsetzung)

Langsam reichte es Kommissar Brunnhuber, er linste bereits zum dritten Mal in dieser Stunde durch die Jalousie. Sein Gegenüber hatte ein enormes Durchhaltevermögen und zeigte bisher keinerlei Ermüdungserscheinungen. Brunnhuber hatte ihn mit Fragen bombardiert und versucht aufs Glatteis zu führen, weiter gekommen war er damit allerdings kaum. Er wusste, dass der Täter in diesem Raum saß, er wusste nur noch nicht wie er an den Beweis für seine Tat kommen sollte und er konnte ihn nicht ewig hier fest halten.

 

“Sie sagen also, Sie waren zur Tatzeit im Bordell Lustvoll, was nur zwei Straßen vom Tatort entfernt liegt. Die Zeugin für Ihr Alibi ist eine gewisse Swetlana, ja?”, bohrte Brunnhuber noch einmal. “Ja, Mann, das habe ich Ihnen jetzt schon drei Mal erzählt. Swetlana war mir noch was schuldig und das haben wir heute eingelöst. Und dabei habe ich nicht genau auf die Uhr geschaut, wenn Sie verstehen was ich meine…”, gab der Verdächtige zurück. “Da ist es doch seltsam, dass es andere Zeugen gibt, die Swetlana zur Tatzeit aber mit ganz anderen Kunden beim, sagen wir mal “Geschäftlichen”, gesehen haben. Sie sollten sich noch einmal ganz genau erinnern, wann Sie in diesem Bordell waren”, zischte Brunnhuber. Er bluffte, etwas anderes blieb ihm im Moment nicht übrig um den Kerl unter Druck zu setzen. Wieder schielte der Kommissar durch die Jalousie. Draußen waren die Kollegen in helle Aufregung geraten. Brunnhuber klopfte an die Tür und der gleich Beamte öffnete von außen. “Übernehmen Sie noch mal”, sagte er und verschwand in das Großraumbüro.

 

“Kleinschmidt was ist hier los”, fragte Brunnhuber den Kollegen. “Wir haben die Leiche von der Frau Pavlova in die Pathologie bringen lassen. Die Aufregung herrscht hier allerdings, weil wir gerade einen Notruf erhalten haben und jetzt halten Sie sich fest, von der Frau Koszyka.”, plapperte Kleinschmidt aufgeregt. “Wer ist Frau Koszyka?”, fragte Brunnhuber. “Na diese Swetlana. Die angebliche Alibi-Zeugin für unseren Verdächtigen da drinnen”, Kleinschmidt deutete auf den immer noch mit den Jalousien verdunkelten Verhörraum. “Das ist ja ein Ding! Dann kommt ja endlich mal Schwung in die Sache. Was für eine Art Notruf war es denn? Sind die Kollegen schon unterwegs?” “Ja, Chef. Habe eine Streife hin geschickt. Sie sagte, ihr wäre jemand gefolgt und der Mann stünde nun vor ihrer Wohnungstür.”, erklärte Kleinschmidt. “Aha. Halten Sie mich weiter auf dem Laufenden, ich bin wieder im Verhörraum”, sagte Brunnhuber und drehte sich auf dem Absatz um.

 

Strategiewechsel, dachte sich Brunnhuber und zog die Jalousie hoch, so dass grelles Sonnenlicht den Verhörraum flutete.

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