Archiv für September 30, 2014

Kapitel 1 Ein fast perfekter Tatort (Fortsetzung)

Langsam reichte es Kommissar Brunnhuber, er linste bereits zum dritten Mal in dieser Stunde durch die Jalousie. Sein Gegenüber hatte ein enormes Durchhaltevermögen und zeigte bisher keinerlei Ermüdungserscheinungen. Brunnhuber hatte ihn mit Fragen bombardiert und versucht aufs Glatteis zu führen, weiter gekommen war er damit allerdings kaum. Er wusste, dass der Täter in diesem Raum saß, er wusste nur noch nicht wie er an den Beweis für seine Tat kommen sollte und er konnte ihn nicht ewig hier fest halten.

 

“Sie sagen also, Sie waren zur Tatzeit im Bordell Lustvoll, was nur zwei Straßen vom Tatort entfernt liegt. Die Zeugin für Ihr Alibi ist eine gewisse Swetlana, ja?”, bohrte Brunnhuber noch einmal. “Ja, Mann, das habe ich Ihnen jetzt schon drei Mal erzählt. Swetlana war mir noch was schuldig und das haben wir heute eingelöst. Und dabei habe ich nicht genau auf die Uhr geschaut, wenn Sie verstehen was ich meine…”, gab der Verdächtige zurück. “Da ist es doch seltsam, dass es andere Zeugen gibt, die Swetlana zur Tatzeit aber mit ganz anderen Kunden beim, sagen wir mal “Geschäftlichen”, gesehen haben. Sie sollten sich noch einmal ganz genau erinnern, wann Sie in diesem Bordell waren”, zischte Brunnhuber. Er bluffte, etwas anderes blieb ihm im Moment nicht übrig um den Kerl unter Druck zu setzen. Wieder schielte der Kommissar durch die Jalousie. Draußen waren die Kollegen in helle Aufregung geraten. Brunnhuber klopfte an die Tür und der gleich Beamte öffnete von außen. “Übernehmen Sie noch mal”, sagte er und verschwand in das Großraumbüro.

 

“Kleinschmidt was ist hier los”, fragte Brunnhuber den Kollegen. “Wir haben die Leiche von der Frau Pavlova in die Pathologie bringen lassen. Die Aufregung herrscht hier allerdings, weil wir gerade einen Notruf erhalten haben und jetzt halten Sie sich fest, von der Frau Koszyka.”, plapperte Kleinschmidt aufgeregt. “Wer ist Frau Koszyka?”, fragte Brunnhuber. “Na diese Swetlana. Die angebliche Alibi-Zeugin für unseren Verdächtigen da drinnen”, Kleinschmidt deutete auf den immer noch mit den Jalousien verdunkelten Verhörraum. “Das ist ja ein Ding! Dann kommt ja endlich mal Schwung in die Sache. Was für eine Art Notruf war es denn? Sind die Kollegen schon unterwegs?” “Ja, Chef. Habe eine Streife hin geschickt. Sie sagte, ihr wäre jemand gefolgt und der Mann stünde nun vor ihrer Wohnungstür.”, erklärte Kleinschmidt. “Aha. Halten Sie mich weiter auf dem Laufenden, ich bin wieder im Verhörraum”, sagte Brunnhuber und drehte sich auf dem Absatz um.

 

Strategiewechsel, dachte sich Brunnhuber und zog die Jalousie hoch, so dass grelles Sonnenlicht den Verhörraum flutete.

Kapitel 1 – Der fast perfekte Tatort

Kommissar Brunnhuber schaute auf die Uhr, zwei Stunden saß er nun schon hier drin mit dem Verdächtigen und sie waren kaum einen Schritt weiter gekommen. Brunnhuber schaute zwischen der Jalousie hindurch, draußen war reges Treiben zu beobachten. Die Jalousie hatte er vor einer dreiviertel Stunde zugezogen um den Druck auf den Verdächtigen zu erhöhen, ihn zu isolieren und mürbe zu machen. Doch bis jetzt hatte es nur ihn selbst müde gemacht. Es ging ihm durch den Kopf, dass er ursprünglich eine Verabredung mit seiner Frau hatte. Heute wollten sie sich Musterhäuser ansehen, doch daraus würde nichts werden so lange der Fall nicht geklärt war.

Jalousie
Brunnhuber klopfte an die Tür und ein Kollege öffnete diese vorsichtig. “Übernehmen Sie mal kurz. Bin gleich zurück.”, wies er den Beamten an. Der Kommissar atmete tief ein und aus und zog sein Handy aus der Sakkotasche. Drei Anrufe hatte er bereits auf der Mailbox, er wählte die Nummer seiner Frau. “Hallo Schatz, ja ich weiß, dass wir verabredet waren. Ich kann heute nicht, am besten du schaust dir schon einmal etwas an und später besprechen wir dann alles. Sei nicht böse, ich werde dir später alles erklären. Ich muss wieder rein, tschüss.” Brunnhuber fuhr sich durch die Haare, er hasste es seine Frau der Arbeit wegen zu versetzen. Die Pause nutzte er noch um den Kaffee wieder los zu werden und sich kurz nach dem Ermittlungsstand zu erkundigen. “Noch nichts, Chef. Wir untersuchen noch den Tatort, haben aber bislang nichts Außergewöhnliches fest gestellt. Und sie wenden psychologische Kriegsführung an?”, antwortete Kleinschmidt. “Was?”, fragte Brunnhuber irritiert. “Na die Jalousie”, Kleinschmidt deutete auf das Fenster. “Ja, ich versuche ihn langsam weich zu kochen, bisher bin aber nur ich der Leidtragende. Ich bin dann mal wieder drin. Informieren Sie mich umgehend wenn Sie etwas gefunden haben”, sagte Brunnhuber und verschwand wieder im Verhöhrraum.